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Art in Cybercity (in German)

or: The never-ending story of the butterfly that flapped its wings. The European City as Cyber-City? Urban Development and New Technologies. (Eds. H. Hardt, R. Kläsener). Dortmund: Verlag Praxiswissen, 1998, pp. 11-22 Second International City Planning Conference, Xanten, Germany, 12-14 March 1997

or: The never-ending story of the butterfly that flapped its wings.
The European City as Cyber-City? Urban Development and New Technologies.
(Eds. H. Hardt, R. Kläsener). Dortmund: Verlag Praxiswissen, 1998, pp. 11-22
Second International City Planning Conference, Xanten, Germany, 12-14 March 1997
oder
Die nicht beendete Geschichte
des Flü gelschlages eines Schmetterlings
Prof. Dr. Mihai Nadin
Genetik und Bio-Computing, Memetic, Nanotechnologien, Vernetzung, und Chaos machen die Schlagzeilen. Die schotische Dolly war in Frü hling von 1997 in jedem Munde, nich aber weil man vor Ostern viel von Schafe spricht, cyber_city.jpgeher weil die Politik des Clonens plötzlich Hochsaison hatte. Gesetzgeber beeilten sich in der Diskussion mitzumachen. Ein Veto gegen jedem Versuch genetischer Manipulation des menschlichen Erbgutes wurde schon, in Form von Gesetzen, ausgesprochen. Und nicht nur in Deutschland. Das man in diesem Bereich, genauso wie in der Wirtschaft, und öfters in die Städteplannung, oder in der Politik der Ausbildung schon zu spätt an der Sache ankommt will keiner merken. Deutschland hat schon ü ber 500 Miliarden DM in der Weiterfü hrung der Bergbauindustrie ausgegeben, obwohl jeder weiß (sogar die Gewerkschaften), daß man damit nur die Agonie verlängert, aber dem Patient – und hier meine ich die sogennante Industriegesellschaft, nicht nur den Bergbau – nicht das Leben rettet.
Am Potsdamer Platz in Berlin, die größte Baustelle der Welt, werden weitere hunderte von Milliarden begraben, weil fü r einige die Zukunft mehr mit der mittelalterlichen Mentalität des Palästebauens verbunden is, als mit den Möglichkeiten des Virtuellen. Anstatt das wir den Potential des Internets, d.h. der Vernetzung durch kostenlose Anschlü ße fördern, werden wir per GEZ neue Gebü hren erheben und allerlei Kontrollen einfü hren. Deutschland und China. Weitere Beispiele kann jeder von uns bringen, wir erleben diese in unserem Alltag, aber der Sinn eines Beitrages vor einem Kongreß von Fachleuten die zuständig sind fü r die Zukunft unserer Städte, ist nicht das Jammern, sondern die Öffnung einer Perspektive. Somit, glaube ich, daß wir zusammen feststellen können die Schwierigkeiten, die wir zu ü berwinden haben, dadurch daß die Politiker, aber auch einige wichtige Wirtschaftsexperten, nicht bereit sind zu merken, daß die Menschheit in einer neuen Zivilization sich befindet, dessen Merkmale – in erster Linie die schnelle Dynamik – uns nur viel zu langsam bewußt werden.
Diese Aussage erschwert offentsichtlich, Ihnen Zuhörer im Kongreß, oder Leser meines Beitrages, das Verständniß, der Beziehung zwischen mein Thema – Kunst in Cybercity – und ein (oder in zwischen mehrere) geclonte Schafe, Affen, Menschen, oder die etwas breitergestaltete Diskussion der genetischen Manipulation, oder der folgen der Chaostheorie (einschließlich der wunderschönen Metapher des Flugelschlages eines Schmetterlings das unter Umständen ein Orkan verursachen kann).
Genetik, nicht weniger als Computer, und vielleicht gleich mit der Nanotechnologie, Memetik, mit der Theorie dynamischer Systeme, mit der Vorherschaft visueller Kommunikation, mit Vernetzung und Interaktion, mit Multimedia, gehören zu einer menschlichen Handlung die die neue Zivilization definiert. Ich habe mich, ü ber viele Jahre, mit dieser Zivilization beschäftigt, aber ich beabsichtige nicht diese zum Thema der Vortrages zu umwidmen, eher die als Hintergrund zu definieren. Auf Grund Überlegungen und Argumente, die ich hier nicht wiederholen kann ohne den Rahmen eines Vortrages zu sprengen, möchte ich eine sehr einfache These heute zur Diskussion bringen: Die Kunst zeigt dem Weg, und nicht umgekehrt, d.h., die Kunst erfolgt nicht aus den Fortschritt der Wissenschaft oder der Technologie, gar nicht aus dem moralischen oder politischen Fortschritt, sondern verursacht diesen Fortschritt, oder wenigstens seine neue Formen (die nicht unbedingt immer fortschrittlich sind). Ich sage das bevor sie mich als Idealist oder soagr als Romantiker beschimpfen und bitte, daß sie sich noch in der Argumentation gedulden.
Kunst ist antizipatorisch, d.h. durch die kü nstlerische Tätigkeit entstehen Werke, Werte und Wahrnehmungen die es bevor nicht gab, oder sogar nicht möglich waren. Nicht jede Antizipitation ist fruchtbar. Denken Sie an Utopien, manche sogar geniale Vorstellungen einer besseren Welt. Meistens sind die als Literatur geliefert, oder als Beispeile in einer Veranstaltung ü ber die Geschichte. Leonardo da Vinci hat durch seine Zeichnungen das Fliegen, z.B. antizipiert. Sein Werk ist uns besser bekannt als die Tausende von Kunstü cke die antizipiert haben wichtige Ergebnisse der Physik, Chemie, der Bautechnologie, sogar der Genetik. Das die Kunst, erneu, antizipatorisch Entwicklungen wie die die ich erwähnt habe – in der Genetik, Computerwissenschaft, sogar Mathematik – angekü ndigt, under sogar vorbereitet hat dü rfte einige ü berraschen. Wir leben noch in der Vorstellung das Kunst und Wissenschaft, besonders Kunst und Mathematik, verfeindet sind, oder sich sogar gegeseitig ausschließen.
Aber bevor der Begriff Cybercity erfinden wurde, war die Kunst im weitesten Sinne des Wortes durch den kybernetischen Gedanken geprägt. Sogar diejenigen die skeptisch gegenü ber der Kunst stehen, wissen daß Rü ckkoplung – der fundamentale Begriff der Kybernetik heißt im Wiener«s original Tn feedback – das Wesen jeder Kunst ist. Die Kunst hat auch das Clonen, als kü nstliche Reproduktion im weitesten Sinne des Wortes, entdeckt bevor die Genetik uns die Praxis der Manipulation des Erbgutes es ermöglicht hat. Als schöpferische Tätigkeit, hat sich die Kunst auch der Mathematik, und dem Kalkü l bedient, indem Algorithment enstanden zur Produktion ornamentaler Werke, Walzer (die Mozart “Methode des Wurfelspiels”), permutationaler Architektur, usw. Die Dokumentation dazu wächst kontinuerlich. Wir entdecken so viele Beispiele einer Kunst die verbirgt den “computer”, d.h. die automatische Manipulations von Daten oder materialen, daß einige Computerwissenschaftler sich durch diese Beispiele inspirieren lassen. Eigentlich sind alle – ich betone ALLE – software Programme im Bereich Computergraphik, Multimedia, Tonverarbeitung, u.ä – ein Ausdruck von Kunstprozeduren, und damit Kunstwissen! Sicherlich, welcher Teil der Kunst sich damit aufnehmen läßt bleibt offen.
Beispiele bilden aber nicht ein Beweiß – jede Induktion ist fehlbar. Dementsprechend möchte ich diese Gedanken jetzt auf eine etwas abstraktere Ebene weiterfü hren.
Die praktische Erfahrung der Kunstschöpfung is nich reduzierbar auf dan Machen (das alte Thema ars gegenü ber techné). Indem wir Kunstwerke schaffen, konstituieren wir uns als selbsbewußte Wesen. Einfacher gesagt: wir sind was wir machen. Einige von unseren Handlungen sind sozusagen natü rlich: Essen, Trinken, Schlafen, Vermehren, usw. Andere betreffen eine parallele Dimension des Menschenseins – die des Kü nstlichen, der Kultur. Diese Dimension entsteht in dem wir uns bewußt werden ü ber was wir geschaft haben, und besonders ü ber die Konsequenzen des Schaffens. Das Selbstbewußtsein der Kunstschöpfung is sicherlich nicht das der Werkzeugbeherrschung in einer Fabrik, oder in der Landwirtschaft, oder das Selbstbewußtsein der Verkabelung, der Benutzung von Glasfasernetze, der Computer oder anderer Technologien. Obwohl die Blumen, die unsere Balkone schmü cken fas ausschließlich durch Clonen entstehen, ist das Selbstbewußtsein des Clonens nicht vergleichbar mit das des Kunstschaffens. Im Clonen, in der genetischen Manipulation, in der Computation, in der Vernetzung widerspiegelt unser Bewußtsein das Verständniß der Handlung. Das Bewußtsein, daß in der Schöpfung der Kunst, aber auch in seine Wahrnehmung, entsteht, ist das Bewußtsein unserer Kondition, unseres Seins in der Welt. Die gegenwärtige Welt is aber eine immer schneller Änderungen, und weil wir ein Teil dieser Welt sind, sind wir gleich in der Dynamik integriert. Interessant: wir verursachen die Dynamik, und sind gleich in der Dynamik integriert! Aber dieser nicht neue Gedanke ist nicht einfach zu verstehen, besonders falls Sie bisher die Theorie der Relativität von Einstein nicht verstanden haben. Und weil wir bei Einsteins Gedanken sind, wer möchte, bitte, wiedersprechen die antizipatorische Dimension der kubistischen Malerei eines Picassos oder die von Bracque? Nicht alles was Kunst ist, oder sich als Kunst anerkennen läßt, ist antizipatorisch. Marinetti und seine Schule haben nur ü ber Geschwindigkeit berichtet aber nicht antizipiert die Folgen der steigenden Beweglichkeit des Menschen.
Was neu in Cybercity ist, ist die Tatsache, daß nicht nur die die sich als Kü nstler identifizieren (und wer tut es heute, im Zeitalter der Charlatane, nicht?) und als Kü nstler annerkannt werden, solche Prozeße initieren. Und neu ist auch die Tatsache, daß Kunst selber global wird, nicht anders als die Wirtschaft und die Märkte, und das durch die erhöhte Effizienz der kü nstlerischen Arbeit, die Kunst sich selber als Unikum (Originalität, Aura, Einmaligkeit, etc.) verneint. Oder wenigstens einer seine Merkmale der Vergangenheit verneint. Ab diesem Punkt, gebe ich selber zu, fängt die Diskussion interessant zu sein. Alles andere – Computergraphik, Animation, Multimedia, digitale Tonverarbeitung, Netzwerke – ist eigentlich langweilig, und wiederspigelt letzendlich nur unsere Faszination mit Spielzeugen und Artefakte oder Phenomäne die uns als neu erscheinen. Es verspricht nicht mehr als eine unendliche Welle von Modeerscheinungen, die sicherlich museal gefeiert werden – es gibt schone mehrere Computermuseen, einige haben sogar Pleite gemacht – , aber die wenig mit das Wesen unserer neuen Zivilization zu tun haben.
Falls Sie von mir hören wollten, daß in Cybercity werden weiter Museen entstehen, wie heutzutage ü berall in der Welt neue shopping malls, gestaltet von berü hmten (oder weniger Berü hmten) Architekten, und eigentlich eine Beschreibung der Funktion solcher Malls, muß ich Sie enttäuschen. Die neuen Guggenheims, eine Handelskette nicht anders als Woolworth (inzwischen in Amerika pleitgegangen, aber in Deutschland weitergefü hrt), und die neuen Museum of Modern oder wie immer Art gehören genauso zur Vergangenheit, wie die Baustelle am Potsdamer Platz oder die 500 Milliarden DM ausgegeben fü r die Produktion des Happenings Bergbau in Deutschland am Ende des Milleniums (unter der Regie der herrschenden Parteien und der Gewerkschaft). Im Falle von diesen unendlichen neuen Museen haben wir nicht mit Antizipation zu tun, sondern mit Retroaktion.
Die Cybercity wird auch nicht entstehen durch Edict, wie in Malaysien die neue Stadt Putrajaya, in welcher eine papierlose Verwaltung ab 1999 das Regieren durchfü hren soll. Cyberjaya, abgesehen von den prädestinierten Namen, wird nicht unbedingt als reele Stadt angeschloßen an der Wirklichkeit durch eine 2 Gigabit Verbindung in der Welt des virtuellen besser ……………(funktionieren).??????
Die Dynamik des Wechsels ist nicht per Erlaß erreichbar, sondern entsteht in der Wechselbeziehung zwischen einer Struktur geprägt durch Zentralismus, Hierarchie, Vergangenheitssehnsucht u.ä. und die Emergenz von neuen Strukturen, die keinem Zentrum mehr haben, befreit von Hierarchie, und besonders von den Druck der Vergangenheitsmodelle. Ich will diese Dynamik nicht trivialisieren, und dementsprechend möchte ich auch nicht die neuen Begriffe (Chaos, Non-Linearität, Selbst-Replikation, u.ä.) einfach im Gespräch bringen ohne die Möglichkeit zu haben die genauer zu definieren. Das konnte aber, um es nochmals zu sagen, den Rahmen eines Vortrages sprengen. Somit muß ich wieder versuchen ein Kompromiß zwischen Fakten und Begriffe zu finden um meine Argumentation etwas ansschaulicher zu machen.
Bitte stellen sie sich folgendes vor: der Kü nstler (der Australier Stelarc) bildet eine Wiederspiegelung seines Nervensystems im Form eines Netzes das an einer Suchmaschine auf dem World Wide Web eingeschaltet ist. Teilnehmer an der Installation (heute wird viel Kunst als Installation dargestellt) versuchen, am Internet, die Wissenresourcen zu finden, die berichten ü ber den menschlichen Körper. Jede Indentifikation (Nase, Knie, Fußzehe, usw.) fü hrt zu einer”Evrika” Aktion: der Kü nstler erlebt die Identifikation (eigentlich als elektrischer Reiz!).
Was besagt diese Kunsthandlung, die im rahmen der ars electronica (Linz, 1997) zum Thema Mensch als Informationsmaschine gezeigt wird? Das der Kunstler fü r jeden von uns fü hlt. Enorme Aussage, vielleicht romantisch geprägt, vielleicht ü bertrieben, aber ohne weiteres impertinent – die Globalität, fü r viele noch eine Abstraktion, erlebt an Leib und Seele! Diese Metapher, eines Körpers verteilt am Internet und assoziert mit dem des Kü nstlers der stellvertretend fü r alle andere steht, widerspricht den Gedanken eines Museums im Cybercity. Die Aussage steht eher fü r eine Vernetztewelt und fü r die Aussagekraft der digitalen Interaktion.
Aber was heißt schon vernetzt? Drähte ü berall? Glasfaser durch tief und dü nn? Eine Welt voller Geräte, voller Monitore, voller Telephongesellschaften, die nicht mehr unsere Stimme ü bertragen, sondern unsere Webseite von Link zu Link schalten? Horror Visionen sind meistens dumm. Jurassic Park, mit teuere Computer Animation, nicht weniger als King Kong (ende 30er Jahren, noch weiss-schwartz) beweisen es reichlich.
Die Zukunft, die ich ansspreche, und die im Begriff Cybercity beinhaltet ist (falls wir den Begriff nicht trivialisieren) hat die digitale Dimension schon verinnerlicht. Diese Vorstellung benötigt etwas mehr Details um klar zu werden. Millionen von uns, unabhängig von das was wir machen, nutzen die neue Technologien. Die fortschrittende Integration digitaler Methoden in alle Bereiche der menschlichen Interaktion resultiert in der Digitalisierung der Kommunikations, der Produktion, des Handels, der Erziehung, der Forschung, und sogar der rituellen Formen (Religion, Politik, Kunst, u.ä.). Armbanduhren, Haushaltsgeräte, Lastkraftwagen, Autos, Flugzeuge, automatische Kassen, und was nicht auf dieser Welt beinhalten, oder sind einfach nichts mehr als ein Gehäuse mit einem (oder mehreren) Chip(s). Es gibt aber z Zt. ca. 200 millionen Computer in der Welt, und nicht weniger als 6 milliarden eingesetzte Chips. Diese Zahl wird sich in den nächsten 8 Jahren verdoppeln. Was wichtiger aber als diese Zahl ist – eigentlich eine noch relativ geringe Zahl, wenn wir denken, daß jeder von uns ü ber mehr als 120 milliarden neuronen verfü gt! – is die Tatsache das relative dumme Chips (schnell heißt nicht klug!) in einer vernetzten Welt die allgemeine Intelligenz, ü ber die wir verfü gen steigern.
Denken wir zusammen ü ber die Konsequenz dieser Integration des Digitalen in unserer Welt, und zwar vergleichen wir diese zur Elektrifizierung, die in den ersten Jahrzehnten unserem 20. Jahrhunderts stattgefunden hat. Gemessen am technischen Stand der Digitalisierung steht der schöpferische Umgang mit Computertechnik noch am Anfang. Es soll dazu kommen das nicht mehr auf jedem Schreibtisch eine umformige maschine steht, die ihren Nutzer zum Typisten degradiert. Und es soll auch nicht mehr der Fall sein, daß weniger als 20 Prozent der Leistung in Anspruch genommen wird (meistens fü r bessere, aber mehrfach teuere Textverarbeitung). Die allgegenwärtige Digitalisierung eröffnet viel mehr die Perspektive der Interaktion mit der unsichtbaren digitaler Struktur, genauso wie es mit der Elektrizität der Fall ist. Statt uns länger zu sagen, daß die einzige Lösung besteht aus Leistungsfähigere Machinen mit bessere Schnittstellen, sollen wir eher ü berlegen wie wir besser die kognitive Energie der kooperierenden Menschen im digitalen Netzwerk einschalten um die Probleme unserer Zeit zu lösen.
Jeder von uns weiß, daß um eine elektrische Gluhbirne zu benutzen, muß keiner von uns wissen, wie ein Kraftwerk (Kern, Kohle, Öl, Wasser) funktioniert, und schon gar nicht, wie man ein Hochspannungs-Transformator bedient. Ähnliches gilt fü r alldiejenigen die Karten benutzen um eine Reise vorzubereiten oder eine Adresse zu finden – es spielt keine Rolle wie diese Karte produziert wurde, oder wie die Daten gesammelt wurden. Auch wer eine Waschmaschine, die mit fuzzy Logik arbeitet, benutzt, muß nicht wissen, wie sie funktioniert (und sowieso nicht was fuzzy Logik ist). Bei den neuen Produkten, ob Auto, Videorecorder, Möbel, die aus dem Verhalten des Benutzers “lernen,” bei den Einrichtungen im Krankenhaus, die sowohl den Schwestern wie den Patienten dienen, und auch bei intelligenten Werkzeugen jeder Art muß es nicht notwendig sein, daß man ein Hoschschulstudium absolviert hat, wenn man sie bedienen will. Alle diese Geräte und eine ganze Menge von Produkte gehören zur Kultur; das Wissen das zur Benü tzung in Anspruch genommen wird ist verinnerlicht worden.
Die Verinnerlichung des Digitalen wird nicht von heute auf morgen passieren. Aber diejenigen die sich Fragen zum Thema Cybercity stellen, können nicht weiter tun als ob die neue Stadt nur mehr Computer und mehr Netzwerke hat, aber eigentlich die alte Stadt bleibt, so wunderbar einige unserer Städte sind von einer Perspektive der Vereiwigung der Vergangenheit. Die virtuelle VRML Stadt Helsinki auf WWW, die gerade entsteht, ist nur ein Beispiel von Möglichkeiten die durch Digitalisierung und Vernetzung entstehen. Anstatt die Vergangenheit zu verewigen, sollen wir eher neue Wege erkunden, neue Möglichkeiten untersuchen.
Verewigung, die alte Obsession der Kunst, die beauftragt wurde den Auftrageber zu verewigen, und langsam selber in der Falle geraten ist sich selber zu verewigen bringt uns nicht weiter. Museen, als wunderschöne Friedhöfe der Kunst oder als Investitionsgut, bringen uns bei warum, auf lange Sicht, diese Dimension des Kü nstlerischem nicht mehr vertretbar ist. Aber viel stärker lernen wir etwas ü ber die Notwendigkeit der Verabschiedung der Obsession der Verewigung, von der Kunst selber. Ars oblivivendi, die Kunst die zur Vergessenheit geschöpft wird, feiert den Augenblick, und lebt im Augenblick. Ob wir es Lieb haben oder nicht, unsere Zivilization hat weniger im Sinn mit Permanenz und mehr mit Geschwindigkeit, weniger mit Gesellschaft und mehr mit das Individuum, weniger mit Homogeneität und mehr mit Heterogeneität.
Selbstvertändlich darf man sich fragen, womöglich muß man sich fragen, ob diese Entwicklung annehmbar ist, und ob wir, als bewußte Gestalter der Zukunft nicht gegenhalten sollten? Die normale Einstellung ist die der Inrertie: was gut bisher war kann nicht so schlecht sein, daß man alles ü ber Bord schmeißt, und sich vom Fluß der Veränderung, ja, der Umwandlung, einfach mitnehmen läßt. Stimmt es aber?
Darum sollten wir ein Augenblick die Thematik der Notwendigkeit, angenommen daß es eine gibt, der Umwandlung unter die Luppe unserer Einstellungen nehmen. Die uns bekannten Mittel der Selbstkonstituierung in der menschlichen Praxis gehören zu einer Welt die einfach anders funktioniert hat als unsere. Solange diese Welt aus kleinen Einheiten zusammengesetzt war – Stämme, Gemeinschaften, Städte, Länder – nahm die Sprache, trotz Unterschieden in Struktur und Gebrauch, einen zentralen Platz ein. Sie hatte einen einigenden Charakter und ü bte eine homogenisierende Funktion aus innerhalb jeder lebensfähigen politischen Einheit. Die Welt ist aber heutzutage (aber nicht nur ab heute) in das Stadium globaler Interdependenzen getreten. Das umfassende Kultursystem ist in Subsysteme gebrochen, nicht nur in “zwei Kulturen,” von Wissenschaft und Geistwissenschaft, die C.P. Snow, in der Tradition von Herder diskutierte und Idealistisch hoffte, es käme eine dritte Kultur, um sie harmonisch zu vereinen. Markt- und Produktionsmechanismen befinden sich in einem Prozeß der Aneignung mehrerer Zeichensysteme (Sprachen). Das visuelle dominiert bei weitem, nicht nur die Kommunikation, sondern produktive Handlungen. Duch Multimedien treffen sich diese verschiedene “Sprachen” und ergänzen sich, in dem Bedeutungen, die nicht mehr durch Sprache zu vermitteln waren endlich sich synkretisch konstituieren lassen.
Wo noch an ihrem Platz befindliche Normen und Regeln des alphabetisierten Sprachgebrauchs diese Emanzipation verhindern – dies ist der Fall, und nicht nur in Deutschland, bei Regierungstätigkeiten, Verwaltungen (eigentlich Burokratien), dem Militär (teilweise) und Rechtsbehörden – drü ckt sich der Preis dafü r in geringer Effizienz und schmerzhafter Stagnation aus. Einige europäische Länder, die sehr produktiv darin sind, die Arbeit und die Kräfte der Erneuerung zu behindern, zahlen reichlich fü r ihre Unfähigkeit, die Notwendigkeit struktureller Veränderungen zu verstehen.
Die Notwendigkeit einer menschlichen Praxis der erhöhten Effizienz hat nur wenig mit Bedü rfnisse des Lebens zu tun. Eigentlich befriedigen wir schon seit Lange her nicht mehr Bedü rfnisse sondern immer steigende Erwartungen. Die Schlaggebende Kraft der Umwandlung ensteht von den Konflikten, die mit der integrierten globalen Welt zu tun haben. Einfacher: innerhalb kleiner Existenzräume konnte man das Gleichgewicht zwischen Ressourcen und Bedü rfnisse noch erreichen. In der globalen Welt, eine Welt des Wettbewerbs und allerlei Konflikte ist keine Stabilität mehr möglich.
Das System ist gesteuert als zunehmend dynamisch. Wer bremst , aus moralischen, ethischen, ästhetischen, religiosen usw. Grü nden, fliegt ü ber Bord. Das ganze sogennante sozialistische System der Ost-Staaten und der ehemaligen Sovjet Union hat diese Erfahrung schon gemacht. Es werden auch andere Staaten, die noch auf eine starre Steuerung wert legen folgen. Das ist keine Prophezei, die auf Kaffesatzlesen basiert, sondern die Schlußfolgerung einer Analyse die auf den neuen Modellen der Wissenschaft, insbesondere die mathematische Theorie dynamischer Systeme basiert.
Neue Mittel des Ausdrucks und neue Wege der Erforschung der Natur und der eigener Natur enstehen als wir uns konstituieren in Handlungen, die keine, oder nur einen geringen, Bezug zur Vergangenheit noch haben. Diese Mittel und diese Wege sind nicht mehr so universell, d.h. allumfassend, wie die Sprache und auch nicht vergleichbar permanent. Aber, die eröffnen Möglichkeiten exponentiellen Wachstums, die aus ihrer Verbindung und verbesserten Verknü pfung kognitiver Ressourcen resultieren. Viele Sub-sprachen, z.B. Programmiersprachen, die der visuellen Diagramatik, der Genetik, Animation, Simulation, und ihre “Alphabetismen” relativer und begrenzter Signifikanz tauchen auf und werden zu Optimizierungsinstrumente.
Was heute Vorang hat, ist die Möglichkeit, Zusammenhänge auf alle Ebenenen herzustellen. Bü rger werden Netizens – ein Begriff das im Englischen einfacher nachzuvolziehen ist, d.h. von Citizens (Bü rger) zu Netizens (Menschen die sich im Netz konstituieren) – und das kann heißen: Kommunikation zwischen Wissenschaftler, Pornographie, verteilte Arbeit, politischer Aktivismus (von extrem links bis extrem Rechts), neue Formen der Interaktion, der Produktion, der Gestaltung, der Schöpfung. Die ü ber sechs Milliarden Chips in der Welt, die eventuell durch unsere Vernetzung eine Para-Intelligenz auf dem Erdball bilden, sind nur ein Indiz fü r alles was auf uns noch kommt. Gut und Schlecht. Erhaben und Miserabel. Kein Grund etwas zu idealisieren, aber auch kein Grund zu dämonisieren.
Und die Kunst in Cybercity? Wie schon mehrmals behauptet, bietet die Kunst nicht nur ein Beispiel, indem die Kunst sich ununterbrochen ändert, aber in erster Linie indem die Kunst kontinuerlich unter Frage stellt Stereotypen, Gewohnheiten, Erwartungen. Aus der Erfahrung des Kunstschöpfens – so uneinheitlich die auch sein mag – hat die Wissenschaft und die Technologie viel profitiert. Trotzdem, erscheint manchen die Kunst als parasitär, als Nebensache, als Alibi. Kunst am Bau, in Deutschland aber nicht nur, verkörpert diese Mentalität. Auch die Bemü hung alte Fabrikhallen zu retten um sogenannten Kü nstler Studioräume anzubieten, oder Museen zu erichten gehören zu selben Tendenz.
Meine Überlegungen zum Thema Kunst in Cybercity kann ich mit Thomas Manns Worte beenden: “Es gibt im Grunde nur ein Problem in der Welt, und es hat diesen Namen: Wie bricht man durch? Wie kommt man ins Freie? Wie sprengt man die Puppe und wird zum Schmetterling?”(Doktor Faustus). Die Authentische Kunst ist eine Quelle der heutigen Dynamik, und wird uns helfen die Puppe eventuell zu sprengen. Dieser Schmetterling, die inzwischen exemplarische Metapher der Chaostheorie, wird uns noch lange Zeit in unsere Entwicklung von der Industriegesellschaft zu einer Wissenswelt verfolgen. Die Kunst selber wirkt als Schmetterling dessen Flugelschlag schon so viel verursacht hat in der Dynamik unserer Erneuerung.


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